Die Judenkirche bei Tiefenbach und der Graf-Vojkffy-Weg
Dieses einzigartige Naturdenkmal, ein - natürliches Felstor - liegt auf 1060 m Höhe am Ochensberg überhalb des Sanatoriums Wasach an der nordwestliche Grenze Oberstdorfs auf Fischinger Flur.
Nur selten verirrt sich zu der heute wieder von Bäumen freigelegten Judenkirche ein Wanderer, obwohl sich der Ausflug hierher sicher lohnt.
Das imposante Felstor besitzt eine Breite von ca. 15 Metern, eine Höhe von ca. 5 Metern und eine Dicke von 1 bis 2 Metern. Der Durchblick durch das Tor bietet heute wieder einen hervorragenden Blick auf Oberstdorf und seine Berge.
Im Juni 2007 hat der Umweltausschuss des Landkreises die Felsformation als Naturdenkmal ausgewiesen und 2008 wurden die Bäume gefällt, die den Blick hinaus auf Oberstdorf verstellten! (PS: Das beklagte ich früher auf dieser Seite! :-) )
Vom Dach des Bogens aus (er ist zwar gesperrt, für schwindelfreie und trittsichere Bergsteiger jedoch keine Herausforderung) bietet sich ein noch schönerer Blick auf den Oberstdorfer Talkessel und seine Berge (siehe Panoramabild oben).
Wandervorschlag:
Der Wanderweg beginnt bei der Tiefenbacher Pfarrkirche (Graf Christoff von Vojkffy Weg) und führt zuerst zu den südlichen Felsabstürzen am Ochsenberg, dem sog. Jehlefelsen. Dort hat der aus Kroatien stammende Graf Vojkffy in den Jahren von 1934 bis 38 Steinwerkzeuge aus der Mittleren Steinzeit ausgegraben. Ein paar Funde können Sie im Heimatmuseum Oberstdorf bewundern. Weiter ansteigend führt der Weg oberhalb des Sanatoriums Wasach vorbei zu einer Hütte am sogenannten Kapf. Von dort steigt es jetzt etwas steiler den Ochsenberg hinauf bis wir kurz nach einer Weggabelung von oben an diese einmalige geologischen Besonderheit gelangen. Auf einem Bänkchen im Felsentor können wir die Ruhe und den Ausblick auf Oberstdorf genießen. Nach dem Durchschreiten des Tores geht es wieder steil nach unten, wo wir auf den Weg treffen, der von der Hütte am Kapf zum Berggasthof Jägersberg oberhalb Langenwangs hinüber führt. Der Gasthof lädt nicht nur wegen seiner gutbürgerliche Küche zu einer Rast ein, sondern auch wegen seines "Postkarte-Ausblickes" auf Oberstdorf. Von dort gelangen wir über Greben hinab zur Kreuzung B19 - Tiefenbach.
Geologische Erklärung:
An dieser Stelle hat sich der Schrattenkalk aus der ursprünglich horizontalen Schichtung hochgewölbt. Auf der talseitigen Flanke bildeten sich hierbei Risse und auch die innere Schicht des Gesteines wurde durch den immensen Druck gelockert. Die nicht mehr eingebundenen Gesteinstrümmer der Talseite fielen heraus und es entstand ein natürliches Felstor, da oben ein Felsbalken erhalten blieb. Langsam rutschte auch das hinter der Öffnung liegende Gestein nach, wodurch sich ein Hohlraum hinter der Gesteinsbrücke bildet, der wie ein chorartiger Raum wirkt und durch den der Weg hindurchführt.
Erklärung des Namens:
Laut Schwendinger soll deshalb das Naturwunder ursprünglich im Volksmund eigentlich „in der Kirche" geheißen haben und erst durch ungenaue Aufschreibung später der Name „Judenkirche" daraus entstanden sein. Er vermutet das, weil es in Oberstdorf früher bis auf eine Ausnahme keine Juden gegeben hätte. Ich persönlich finde den Namen "Judenkirche" eigentlich schon schlüssig. Da das Aussehen wirklich stark an eine Kirche erinnert - vielleicht wurde der Ort von unseren vorchristlichen Vorfahren auch dementsprechend genutzt - muss er, da nicht christlich, antichristlich sein. Was liegt da näher, als eine "Judenkirche" daraus zu machen. Um sich ein Bild von der obstrusen Vorstellung, den sich unsere Vorfahren noch vor etwa hundert Jahren vom "Juden" machten , sei nur an die von Reiser in Oberstdorf aufgezeichneten Sage vom "Ewigen Jud" erinnert.
"Der Graf Christoff von Vojkffy Weg und die Judenkirche in Oberstdorf/Tiefenbach" von Paul Schwendinger, Artikel aus unbekannter Zeitschrift (Kopie liegt mir vor)
" Den ewigen Juden kann man nicht töten", Sage aus dem Reiser, S. 434
Ausdruck aus dem Geotopkataster Bayern, Geotopnummer 780A025 (2.4.2009)
Stand:
10.05.2009
Blick von oben durch das Felsentor
Der Blick von unten
Lage der Judenkirche von Oberstdorf gesehen. Links am Ochsenberg liegt Wasach.
Die Hütte am Kapf - direkt über Wasach gelegen -
lädt zu einer kurzen Rast ein.
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Rößle